Sonderserie: Nazifizierung und Entnazifizierung der österreichischen Medienlandschaft
ImageDas Medienportal ctv-net.org widmet eine Sonderserie zu dem Thema „Nazifizierung und Entnazifizierung der österreichischen Medienlandschaft“. In den ersten Stellungnahmen kommt der renommierte Experte Fritz Hausjell, Außerordentlicher Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, zu Wort. Er beschäftigte sich in seiner  wissenschaftlichen Arbeit mit dem Themen wie ‚Folgen von Austrofaschismus und Nationalsozialismus für den österreichischen Journalismus’ oder ‚die Entnazifizierung der Pressejournalisten’. Im Gespräch mit ctv-net.org spricht er über die Auswirkungen des Nationalsozialismus und des Ständestaates auf den österreichischen Journalismus nach 1945 bis heute.






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Nach Hausjell, brachte das NS- Regime für die österreichischen Journalistinnen und Journalisten unter anderem einen gewaltigen Rückschlag in den Bereichen der Einkommen und arbeitsrechtlichen Ansprüchen. Erst in den 60er Jahren erreichten die österreichischen JourmalistenInnen beispielweise wieder jene Urlaubsansprüche, die ihnen bzw. ihren Vorgängern vor 1938 aufgrund des Wiener Kollektivvertrages bereits zustanden. Auch Berufsbild und Selbstverständnis des österreichischen Journalisten hatten sich durch vier Jahre „Ständestaat“ und vor allem durch sieben Jahre NS- Herrschaft stark verändert.

Oscar Pollak, der Chefredakteur der Arbeiter-Zeitung bis 1934, nahm nach seiner Rückkehr aus dem britischen Exil im September 1945 als wiederinstallierter Chefredaktuer der Arbeiter- Zeitung folgende Veränderung wahr:
„Die Verheerungen, die der Nationalsozialismus im geistigen Leben angerichtet hat, sind womöglich schlimmer als die leiblichen Nöte und Zerstörungen, die wir ihm verdanken. Auf dem Gebiet der Presse zeigen sich seine Nachwirkungen vor allem in zwei Dinge: eine grässlich verballhornten Sprache und einer in früheren Zeiten undenkbaren Unempfindlichkeit, gegenüber dem Versuch, die Zeitungen zu bevormunden und zu beeinflussen. Die heutigen Journalistik scheint gar nicht zu merken, wie wenig die Pressefreiheit noch wirklich im täglichen Betrieb der österreichischen Zeitung zu Hause ist.“
(aus „Journalisten für das Reich“; Fritz Hausjell)