| Kunst in der Peripherie: ‘THAT’S THE WAY WE NORMALLY DO THINGS’ |
|
Schon im Juni 2005 erregte die von SIKO&TINEDA konzipierte RAUMUMKEHR in der ehemaligen Tramway-Remise Koppreitergasse weit über den Bezirk Meidling hinausreichend Aufmerksamkeit. Im Versammlungs- und Speiseraum der vormaligen Remise, in welcher nunmehr Werkstätten der Wiener Linien untergebracht sind, gelang es den beiden Künstlerinnen sich dem Betriebsalltag mit einer konzeptionellen Umkehr des Routinevorganges innerhalb eines monotonen Ablaufes, auf sinnlich wahrnehmbare Art entgegen- und gleichzeitig den Arbeits-Ablauf der in den Werkstätten Tätigen, in Frage zu stellen. Der aus den späten Fünfziger-Jahren stammende Versammlungsraum wurde komplett mit Natur-Rasen ausgelegt und in seiner Funktion zur gänze umgekehrt. Gleichzeitig wurde mittels Projektion von Photosequenzen an die Wände und eigens dafür komponierter Musik die Szenerie im Saal begleitet. Ergänzt wurde das Raumprojekt mit der Fortsetzung der „Machen Sie sich selbst ein Bild“ Selbstaktivierungsaktion, in welcher vom Publikum, aus vorbereitenden Holzteilen, ein Gesamtbild manuell angefertigt und zusammengefügt wurde. Nicht nur das Remisenpersonal, sondern auch viele Menschen aus den umliegenden Gemeindebauten, nahmen begeistert an dieser ungewöhnlichen künstlerischen Aktion teil. DOWNLOAD FLASHANIMATION RAUMUMKEHR Ermutigt von den vielen positiven Reaktionen, sowohl vom Fachpublikum als auch der nachhaltigen Wirkung bei vielen Anrainern, entschlossen sich die beiden Künstlerinnen auch 2006 der Einladung des Bezirks zu folgen, um diesmal im Amtshaus und der Bezirksvorstehung ein künstlerisches Konzept zu entwickeln. Dabei wurden TISI 06, so das neue konzeptadäquate Namenssynonym von SIKO&TINEDA, gleich vor eine unerwartete zusätzliche Herausforderung gestellt. Der als „Projektraum“ zur Verfügung gestellte Beratungs- und Versammlungssaal der Bezirksvertretung, war bereits mit künstlerisch gestalteten und großformatigen Fresco Secco Wandmalereien Vordefiniert. Das Künstlerhausmitglied Otto Trubel hatte 1956 über Auftrag des Magistrat der Stadt Wien neun Männer in verschiedenen Handwerkszünften, und eine Frau mit Kübel und Kind großformatig an den Saalwänden dargestellt. Inmitten dieser Darstellungen tagt seither das „Bezirksparlament“ um über das Wohl des Bezirkes zu entscheiden. TISI 06 nahmen die überlebensgroßen Figuren „fotografisch“ von den Wänden ab, vervielfältigten sie als Silhouetten vielfach um sie im Raum selbst wieder Aufzustellen. In einer Live-Performance wurde dann die einzige Frau unter den neun Männern wieder „zum Leben erwecktI. Im Raum selbst wurden unzählige künstlerisch gestaltete Kübel, welche in einer „Kübelsammelaktion im so genannten Kübel-Amt “ von den Menschen im Bezirk abgegeben wurden, gruppiert. Ein teil der männlichen Silhouetten wurden außerhalb des Gebäudes von Wiens bedeutender Graffiti-Künstlerin JAYE in einer Live-Performance gestaltet. Besondere Anmerkung findet die Tatsache, dass am Tag der öffentlichen Präsentation des Raum-Kunst-Projekt „Der Kübel ist voll“ von TISI 06, trotz Beginn der Fußball-WM 06 und dem Start der Wiener Festwochen zahlreiches Publikum den Weg ins Amtshaus fand, um an diesem doch etwas peripher gelegenen Ort sich der Auseinandersetzung mit Kunst von Frauen zu stellen. |