Orpheus Trust- "Herr Stadtrat, dass stellen sie sich unter Dialog vor ?"
pokornyAm 31. August wird der Verein 'Orpheus Trust’ seine Tätigkeiten einstellen. Ziel des Vereines ist die vom NS-Regime vertriebenen Musik den ihr gebührenden Raum wiederzugeben. Laut einer Aussendung des Wiener Gemeinderatsabgeordneten der Grünen Wien, Marco Schreuder, hat 'Orpheus Trust’ in den zehn Jahren seiner Tätigkeit 4.700 NS-verfolgte Musikschaffende und 13.000 ihrer Werke recherchiert und dokumentiert, sowie in 300 Veranstaltungen und Publikationen an die 3000 verfolgte Musikschaffende der Öffentlichkeit präsentiert.Während der Veranstaltung "Dr. Alfred Gusenbauer im Gespräch mit den Kulturjournalisten/Innen" wurde der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny von einem Mitglied des Vereines 'Orpheus Trust’ mit deren Notlage konfrontiert.






Der Verein 'Orpheus Trust - Verein zur Erforschung und Veröffentlichung vertriebener und vergessener Kunst' wurde im Mai 1996 von Dr. Primavera Gruber gegründet mit dem Ziel, der vom NS-Regime vertriebenen Musik den ihr gebührenden Raum wiederzugeben.
Die Anliegen des Vereines werden auf drei Hauptebenen verfolgt, nämlich in die Erforschung und Dokumentation von Leben und Werk der aus Österreich vertriebenen oder im KZ umgekommenen Musikschaffenden,
in Aufführung der vergessenen Musik in eigenen Veranstaltungen und Koproduktionen (Konzerte, Workshops, Vorträge, Ausstellungen) und in die Vermittlung (Informationsvermittlung und -austausch zwischen Wissenschaft, Konzertbetrieb, Pädagogik und Medien).

Während die Anerkennung durch die Öffentlichkeit zunahm, drückte sich, laut 'Orpheus Trust’, dies nicht in entsprechend steigenden Subventionen aus. Mit EUR 73.000 von der Stadt Wien, 30.000,-- vom bka.kunst im Jahr kann der Orpheus Trust nicht das Leben und das Werk von über 5000 NS-verfolgten Musikschaffenden erforschen, vermitteln, bekannt machen.
Die Breite der Aktivitäten würde mindestens fünf Mitarbeiter erfordern, nicht zwei Halbtagskräfte wie heute (zwei Mitarbeiterinnen mussten bereits gekündigt werden).

Die 20 bis 25 jährlichen Veranstaltungen konnten auch so nur mit vielen unbezahlten Arbeitsstunden, dem Entgegenkommen engagierter Künstler und der Unterstützung durch Mitglieder und Spender realisiert werden.
Das Sammeln von Informationen und Materialien, das Betreuen der bereits vorhandenen Dokumentation im Archiv und in den Datenbanken sowie die rege in Anspruch genommene Beratungstätigkeit erfordern immer mehr Zeit.

Nachlässe mussten aus Raumnot ausgelagert werden, auch ein eigener Raum für die Archiv- und Datenbankbenutzung fehlt.
Konträr zu den gewachsenen Anforderungen ist die finanzielle Unterstützung besonders seitens des Bundes ist laut Orpheus Trust immer mühsamer zu erlangen und an mehr und mehr Auflagen gebunden.

Eine Basisfinanzierung meint das Kunststaatssekretariat nicht berücksichtigen zu müssen. Förderungen durch die EU, die sich wegen der europäischen Dimension für den Verein anbieten würden, sind nur mit adäquater nationaler Förderung und hohem administrativen Aufwand zu erlangen.