Peter Turrini: „Festspiele sind eine Textil-, Tuttl- und Talmishow der Gebenedeiten“ Part 2
peter turriniIn der Stadt Salzburg findet seit 1920 allsommerlich das Kulturfestival Salzburger Festspiele statt. Unter den Aufführungen ist dabei traditionell Hugo von Hofmannsthals Jedermann vertreten, dessen Aufführung in der Regie von Max Reinhardt am 22. August 1920 auf dem Domplatz die Geburtsstunde der Festspiele markierte. Im Zuge der Salzburger Festspiele 2005, fand beim Schauspielprogramm der Festspiele ein Symposion statt, wo der Schriftsteller und Dramatiker Peter Turrini eine Kommentar über den dominierenden Neoliberalismus hielt. Bei einer Lesung in Wien wiederholte er sein Kommentar aus aktuellem Anlass.





TEIL 1
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[...] „Nicht so die neue Religion. Ihre Geschichte gleicht in den letzten Jahren einem einzigen Triumphzug. Der Beginn dieser Entwicklung lässt sich historisch einigermaßen genau datieren: Er fällt zusammen mit dem Untergang der sozialistischen Länder, des Sozialismus schlechthin. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese neue Religion, von der ich hier rede, noch keine solche, sondern eine politische und vor allem wirtschaftliche Ideologie. Sie stand mit der sozialistischen Ideologie im Wettstreit, und es ist das Wesen eines Wettstreits, dass man Argumente vorbringen muss. Ich weine den sozialistischen Ländern hiermit eine Träne nach, denn wenn sie zu nichts anderem gut waren, dann waren sie es zu dem einen: Sie zwangen die kapitalistische Ideologie zum Argument, sie hinderten sie an der unwidersprochenen Verkündigung.“ [...]

[...] "Geht es der Wirtschaft gut, geht es allen gut." Dieser Glaubenssatz wird vom ORF, einer Art Ashram der neuen Religion, tagtäglich verkündet.
Der erste Teil dieses Konditionalsatzes ist ja auch wahr. Der Wirtschaft – oder genauer gesagt: ihren führenden Betreibern – geht es gut. [...]