Der Wurm in der Kunst.
Der WurmSOHO in Ottakring ist schon seit Jahren so etwas wie ein Seismograph im Kunstgeschehen der Metropole Wien. In den abgewohnten Straßenvierteln des 16. Wiener Gemeindebezirks versammeln sich jeweils kurz vor Sommerbeginn, Künstler und Künstlerinnen um im Viertel um den Brunnenmarkt so etwas wie ein Kunst-Festival in der Vorstadt zu kreieren. Zwei Wochen lang werden in leer stehenden Gassenlokalen, Langzeitbaustellen und Sanierungshäusern Kunst in all seiner Vielfältigkeit unter die Bevölkerung gebracht. Im wahrsten Sinne des Wortes.


Erdbeben treten in Ottakring zum Glück eher selten auf. Häufiger gibt es dafür Wind, Regen und Kälte. So auch dieses Jahr. Besonders Kalt war es ausgerechnet in jenen zwei Wochen wo das „Kunstfestival“ SOHO in Ottakring über die „Bühne“ ging. Vom 20 Mai bis 3. Juni konnten die Anrainer des Brunnenmarktes aber auch jene aus Trans-Danubien, Meidling, Döbling und der Mazzes-Insel Leopoldstadt, ja sogar aus Simmering, Erdberg und der Donaustadt, einer illustren Schar von KünstlerInnen beim Hungern, Bibbern (vor Kälte) und beim Präsentieren ihrer Kunst-Werke über die Schulter schauen.

SOHO ist in diesen zwei Wochen des Kunstfestivals mehr als eine blühende Wiese mitten in dieser verfallenen „Vorstadt-Idylle“ von bröckelnden Mauerwerk, feuchten Erdgeschoß-Häusern und brüchigen Elektroleitungen.

SOHO ist in den zwei Festivalwochen vor allem eine gefrierharte öffentliche Momentaufnahme zur Stellung der Kunst im Allgemeinen und den Stellenwert der KünstlerInnen im Besonderen. Und dem unbeugsamen Überlebenswillen jener Menschen, welche Kunst nicht nur für sich und nicht nur als Behübschung schaffen. Ja natürlich, ein wenig Geld gibt es auch. Zumindest für jene, deren Projekte ausgewählt wurden um im devastierten Vorstadt-Ambiente, die Re-Animation der ausgequetschten Viertel außerhalb des Gürtels, im Interesse der Haus – und Grundbesitzer voranzutreiben.

Auch der „Kübelwurm“ von Martina Eder (TINEDA) und Silvia Gröbner war dabei.

Als Wurm in der Kunst.

Ein Wurm bestehend, aus aneinander gereihten und gebrauchter Farb-Eimer von der Baustelle. Baustelle, wie das Motto des diesjährigen SOHO-Festivals. Der Wurm wanderte vor zwei Wochen quer durch Wien. Von Meidling nach Ottakring. Vom Amtshaus in der Schönbrunnerstraße(!) in die Hubergasse im Viertel um den Brunnenmarkt.

Mit auf dieser Stadtwanderung die beiden Künstlerinnen und ihre Gedanken zur Kunst, dem Leben als Künstler/in, der Kunstpolitik und der schon wieder fälligen Wohnungs-Miete. Der Kübelwurm in seiner Rolle als Wurm in der Kunst hatte auf dem Weg in sein Zwischenquartier viele Begegnungen

Viele konnten ihn sehen.

Viele konnten in hören.

Manche werden ihn erkennen.

Sein Ende ist ungewiss.

Nach dem 3. Juni 2006 (Letzter Tag des Kunst-Festivals SOHO in Ottakring) wird der Kübel-Wurm mit seinen beiden Erschafferinnen wieder den Rückweg antreten.

Zurück nach Meidling.

Wo der Kübel bereits voll ist.

Image   Der Wurm in der Kunst

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